ABBILDUNG
Fischerstechen in Ulm
26. Juni 1865

Lithographie

Kurze Geschichte

Des Ulmer Schiffervereins

Am 31. August 1922 kommen vierzehn Nachkommen aus den Ulmer Schifferfamilien in der Gastwirtschaft "Zur Forelle" in Ulm zur Gründungsversammlung des Ulmer Schiffervereins zusammen.

Vorsitzende werden Wilhelm Molfenter und Eugen Käßbohrer, Schriftführer wird Fritz Traub, ein wesentlicher Chronist zu allen Fragen der Ulmer Schifferzunft und der Schifferfamilien. Mitglieder des Vereins können nur Nachfahren der ehemaligen Ulmer Fischer- und Schifferfamilien werden. Da schon 1922 die Vereinsmitglieder beruflich kaum mehr mit Schiffbau und Schifffahrt verbunden sind, wird die ideelle Erhaltung und Weitergabe der Zunfttraditionen als wesentliche Vereinsaufgabe angesehen.

Neben vereinsinternen Veranstaltungen tritt sehr rasch das seit Jahrhunderten überlieferte und in den Ulmer Schifferfamilien weitergegebene "Fischerstechen" in den Vordergrund. In der Vereinssatzung "erachtet es der Verein als eine seiner Hauptaufgaben, das altbekannte "Ulmer Fischerstechen" auf der Donau abzuhalten unter strenger Wahrnehmung seiner historischen Eigenart". Seither führt der Schifferverein bei allen Fischerstechen die inhaltliche Regie - in Zusammenarbeit mit der Stadt Ulm, die seit 1935 die offizielle Veranstalterin des Stechens ist. 1932 wird Otto Fischer "Erster Vorsitzender und Zunftmeister" und er wird dieses Amt bis 1977 versehen.

ABBILDUNG
Fischerstechen
Foto: Dr. Eugen Lehle
19. Juli 2009
ABBILDUNG
Fischertanz
Foto: Reinhard Denk
2013

Er prägt ganz entscheidend das Fischerstechen und wird den Ablauf von Festumzug und Stechen neu organisieren. Nach 1945 ist Otto Fischer auch der entscheidende Initiator zur Erhaltung bzw. Erneuerung dieser ulmischen Tradition und ihrer Institutionalisierung in den Ulmer Festtagskanon. Zur Erhöhung der Attraktivität des Festumzuges entwickelt er einen großen Karree-Tanz junger Weißfischer und Fischermädchen nach den Noten des ulmischen Menuetts der "Dockenkomödie". Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Umzuges bleibt die traditionelle "Historische Tanzgruppe" aus Bauer, Bäuerin und Schalksnarren, die an jedem Tanzplatz nach dem Menuett auftritt.

Seit 1950 findet das Stechen zumeist in vierjährigem Rhythmus statt, abgesehen von besonderen städtischen Jubiläen. Neben diesen öffentlichen Fischerstechen als städtische Veranstaltungen finden in den Zwischenjahren regelmäßig vereinsinterne "Sportliche Stecher- und Fahrerturniere" statt. Nachfolger von Otto Fischer als Vorsitzender und Zunftmeister wird 1977 Hans-Peter Engelhardt, diesem folgen 1991 Dietbald Fischer und 1999 Fritz Eckhardt. Seit 2015 führt Susanne Grimmeiß als Vorsitzende den Verein.

Das Menuett
Live am Rathaus, Juli 2001
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Der Fischermarsch

Ein fester Bestandteil eines sehr alten Brauchtums.

Auch heute noch erklingt der Marsch beim historischen Umzug und dem nachfolgendem Turnier auf der Donau – dem Ulmer Fischerstechen. Nur die Schifferzunft besitzt einen eigenen Marsch, der nach seiner Sage von Kaiser Karl V. komponiert worden sein soll. 
Die Anfänge gehen wohl tatsächlich bis ins 16. Jahrhundert zurück, wenn auch die älteste bekannte schriftliche Fassung 1850 vom Ulmer Komponisten Wilhelm Speidel niedergeschrieben wurde.


 Der Text des Liedmarsches stammt von Friedrich Albrecht um 1850.



Der Fischermarsch
Stadtkapelle Ulm
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Der Schiffer muß steuern ins Leben hinaus,

doch sehnt in der Fern er sich wieder nach Haus,

Ihm gibt ja die Stadt, die das Leben ihm gab,

ein Haus und ein Schiff und wills Gott, auch ein Grab.

O mein Ulm, an dich denk ich treuherzig und fromm,

Und seh ich dein Münster, so jauchz ich: Willkomm!

Und treibt es den Schiffer, von dannen zu gehen,

so ruf ich getrost: Auf Wiedersehn!

Willkommen, du Flut, die mein Schifflein bewegt,

Es munter hinunter nach Österreich trägt!

Den Knaben schon zogs auf die wogende Bahn,

Wie der Vater getan, sich zu schaukeln den Kahn.

O du Donau, dich lieb ich treuherzig und fromm,

Du führst mich zu Freunden, sie rufen willkomm!

Und treibt es den Schiffer, nach Hause zu gehen,

Harrt seiner daheim ein Wiedersehn!

Und winkt ihm als Fährmann am Ende der Tod,

So steigt er getrost in das friedliche Boot.

Lebt wohl, die ihr bleibet am irdischen Strand!

Ich steure nun fort in das bessere Land.

Sie rufen mir drüben treuherzig und fromm

Entgegen: Du redlicher Schiffer, Willkomm!

Die aber am Ufer des Grabes noch stehn,

Sie rufen: Fahr wohl, auf Wiedersehn!



Quelle: Ulmer Stadtarchiv

Die Verwilligung

In früheren Zeiten ein ganz normales Genehmigungsverfahren, heute ein farbenprächtiges Ritual

Wenn die Abordnung der Schifferzunft bzw. deren Nachfahren, die Mitglieder des Ulmer Schiffervereins, mit ihrem Zunftpokal, dem sogenannten Willkomm, am Donnerstag vor dem ersten Fischerstechen ins Rathaus marschieren, dann ist die Verwilligung des Stechens nur noch eine Formsache.

Die „Antragsteller“ überreichen dem Stadtoberhaupt eine Platte, natürlich mit fangfrischen Donaufischen und natürlich aus dem Hause Heilbronner; eine der letzten „echten“ Fischer-Familien. So gnädig gestimmt wird kein Oberbürgermeister der Stadt Ulm ein Turnier ablehnen. Das geschah übrigens zum letzten Mal im Jahr 1739 – wegen gefährlicher Zeitläufe.

Der heutige Ablauf dieses Rituals geht auf die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück, als der damalige Zunftmeister Otto Fischer damit begann, dem Turnier und dem Festzug in einem zwei Jahrzehnte währenden Prozess seine heutige Form zu geben. Dabei hat er auch das Genehmigungsverfahren ritualisiert. Ihm verdankt damit der amtierende Oberbürgermeister den schwierigen Schluck aus dem Zunftpokal, dem „Willkomm“, mit dem er die Verwilligung bekräftigt.

Quelle: „Zünftige Lustbarkeiten“, Henning Petershagen

Die Räsen

„Räsen“ d.h. die Herben, Scharfen, Strengen

Mehr als 100 Jahre vor unserer Zeit, bei den Vorbereitungen zu einem Stecherturnier, hat ein damaliger Zeitgenosse sehr treffend beobachtet, was einen „Räsen“, ein Mitglied einer alten Ulmer Fischer- und Schifferfamilie, ausmacht: „Da kommen dann zunächst die Alten zu Wort, lehren die Jungen die Überlieferung und zeigen ihnen die Regeln des Kampfes. Veränderungen, Reformen wollen sie nicht zulassen; Alles soll genauso zugehen wie Anno dazumal. Und nicht umsonst heißen die alten Herren „Räsen“ d.h. die Herben, Scharfen, Strengen.“

Die Herben, Scharfen, Strengen..., einige nennen sie einen „eigenen Stamm, der in sich geschlossen ist“. Das sind wir, die Räsen, die Mitglieder des Ulmer Schiffervereins. Heilbronner, Scheuffele, Käßbohrer und Molfenter. Noch heute sind diese Namen, die mehrere hundert Jahre die Schifferzunft in Ulm geprägt haben, in eben jenem Verein vertreten und führen die traditionellen Gepflogenheiten fort. Diese, sowie alle Familien im Ulmer Schifferverein spiegeln die Werte wieder, die einen Räsen ausmachen: traditionelle Werte wahren und fortzuführen, auch wenn eine gewisse Sturheit und Kantigkeit an den Tag zu legen ist. Und diese, sowie auch andere Tugenden waren und sind heute noch notwendig, um das Ulmer Fischerstechen weitestgehend unverfälscht erhalten und aufführen zu können.

Ein Räser mag in der Öffentlichkeit dickköpfig wahrgenommen werden, doch ist ihm letztendlich doch nur wichtig, die Tradition der Seinen möglichst vollständig zu bewahren. Und dafür setzt er sich ein. Auf seine Art – geradlinig, teils eigensinnig.

Wie man Zillen fährt

Ulm, im Juli 2016

Zur Fortbewegung von Zillen dienen Stechruder, sie haben drei Aufgaben: Die Steuerung, den Antrieb durch Rudern bei der Fahrt quer zur und mit der Strömung bzw. für kurze Strecken auch gegen das Wasser und dem „Staken“ der Zille flußaufwärts entlang der Uferböschung.

Zillen von 10 Metern werden von einer bis drei Personen gefahren. „Gerudert“ wird grundsätzlich im Stehen. Wird die Zille von nur einer Person „gerudert“, so steht diese achtern am Beginn der Hebe. Diese Position ändert sich auch nicht, wenn eine zweite Person, deren Platz am Beginn der vorderen Hebe ist, hinzu kommt. Der dritte „Ruderer“ nimmt seinen Platz in der Zillenmitte ein. Alle drei Fahrer/innen stehen möglichst dicht an der Bordwand, mit den Füßen quer zur Fahrtrichtung, da in dieser Haltung die Zille am wenigsten schwankt („gautscht“). Beim Ablegen im Fließwasser stehen alle drei Fahrer/innen auf der dem Ufer zugewandten Seite. Die vordere Person stößt die Zille mit dem Ruder quer zur Schiffsrichtung vom Ufer ab. Sie kann das Drehmoment der Zille dann durch einen Paddelschlag (ulmerisch“Azieha“) unterstützen. Ist die Zille weitgenug vom Ufer entfernt, beginnt auch die mittlere Person mit dem „Anziehen“, während der Steuerer achtern die Zille noch einmal kräftig vom Ufer abstößt. Durch die daraus folgende Gierstellung macht die Zille nun sowohl Fahrt voraus wie quer zum Wasser. Spätestens wenn die Zille frei vom Ufer ist, wechseln alle drei Fahrer/innen auf die Unterstromseite des Schiffs.

Wird die Zille von nur einer Person gefahren, so zieht diese zum Ablegen das Heck so dicht wie möglich ans Ufer. Die dabei entstehende leichte Drehbewegung reicht meist schon aus, um den Bug („Gransel“) durch die Strömung des Wassers in Richtung Strommitte zu drücken.

Die Steuerung der Zille erfolgt im Wesentlichen durch die achtern stehende Person, während die anderen beiden „Ruderer“ vor allem für den Vortrieb sorgen. Nur beim An-oder Ablegen bzw. bei extrem starken Abweichungen vom Kurs ist der/die vordere Fahrer/inn an der Steuerung mitbeteiligt. Kleine Kurskorrekturen können vom achteren Steuerer durch Drehen des Ruderblattes erreicht werden. Bei stärkeren Abweichungen schafft er/sie einen künstlichen Drehpunkt, indem er die weiter unten ansetzende Hand als Hebelpunkt benutzt bzw.den Schaft des Ruders an der Bordwand anlegt („sperrt“). Die Ruderbewegung vollzieht sich dabei in der Richtung nur wenige Grade beiderseits der Längsachse des Schiffs.Gravierende Kursänderungen werden durch“Reiha“ oder „Weidzieha“erreicht. Beim „Reiha“ wird die Bordwand als Hebelpunkt benutzt, die Bewegung des Ruders geht dabei aber quer zur Fahrtrichtung. Die Gegenbewegung, bei der das Ruder quer zur Bordwand zur Zille hergezogen wird, bezeichnet man als „Weidzieha“. Je weiter entfernt von der Bordwand das Ruder dabei eingetaucht wird, desto stärker ist die Wirkung.

Bei der Fahrt zu Berg kommt meist der Stachel des Ruders zum Einsatz. Wegen der Fließgeschwindigkeit der Donau ist es in Höhe der Stadt selbst heute kaum möglich, über längere Strecken eine Zille gegenan im tieferen Wasser zufahren. Lediglich im Staubereich oberhalb des Kraftwerks ist dies für ein paar hundert Meter machbar.

In den flachen Uferzonen ist dagegen die Strömung nicht nur geringer(im Kehrwasser sogar zu Gunsten der Zille), sondern erlaubt der meist harte Stein- und Kiesuntergrund eine Fortbewegung durch „Staken“. Die Schiffsleute sind daher bestrebt, zu Berg immer so dicht wie möglich unter dem Ufer zu fahren.Die vordere Person bemüht sich dabei die Zille so gut wie möglich parallel zum Ufer zu halten; nur wenn Hindernisse wie etwa große Steine oder Bäume auftreten, schiebt die vordere Person die Zille für einen Moment ins tiefere Wasser, wobei die achtern fahrende Person gleichzeitig durch abstoßen des Hecks dafür sorgt, dass der Zillenspitz nach Umfahrung des Hindernisses wieder am Uferrand weiter geführt werden kann. Andernfalls würde die Zille von der Strömung erfasst, gedreht und abgetrieben.

Textauszug aus “Schopper und Zillen“ Eine Einführung in den traditionellen Holzschiffbau im Gebiet der deutschen Donau
Text: Jenny Sarrazin, Andre van Holk und Thomas Hailbronner, Zeichnungen und kleinere Textergänzungen von Günter Bodmer

Ulmer Fischerstechen

Am 16. und 23. Juli 2017

Pünktlich um 15 Uhr erfolgt für die Teilnehmer des Fischerstechens unter den Klängen der Musikkapellen und unter dem tosenden Applaus der ca. 15.000 Zuschauer, welche sich dichtgedrängt an beiden Ufern der Donau eingefunden haben, der Einmarsch vom Metzgerturm an die Donau. Nach dem Übersetzen der von der Neu-Ulmer Seite startenden Fischerstecher, beginnt nach den Begrüßungsworten der Vorsitzenden des Ulmer Schiffervereins, Susanne Grimmeiß, das Stecherturnier. Traditionsgemäß eröffnen die beiden Schalksnarren das Turnier, gefolgt von Bauer und Bäuerin sowie den wohl historisch ältesten Figuren – den Weißfischern.

Eine weitere Beschreibung aller Stecherpaare, sowie der Turnierregeln erhalten Sie auf der Homepage der Stadt Ulm (Ein direkter Link folgt unten). Sieger des Fischerstechens ist, wer entweder beide Turniersonntage für sich entscheiden konnte oder in einem Finale den Sieger von einem Sonntag bezwingen kann. Der Siegerpokal wird aus den Händen des Ulmer Oberbürgermeisters überreicht und verbleibt bis zum nächsten Fischerstechen in 4 Jahren beim Gesamtsieger.

Offizielle Webseite
Ulmer Fischerstechen
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Stadt Ulm
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Susanne Grimmeiß
1. Vorsitzende

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Mitglied werden kann jeder Nachkomme einer der Familien, die der
ehemaligen Fischer-und Schiffleutezunft zu Ulm angehören.

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